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#teamklimaschutz in Suhl Drucken
 Ingenieur Dr. Karsten Hupe (IFAS, Hamburg), Klimaschutzmanager Diego Walch und Frank Ebert, der für die Deponieüberwachung zuständig ist. (v.l.n.r.)"Wenn Müll zur Mammutaufgabe wird: Für Kommunen stellt die Nachsorge ihrer Mülldeponien ein zunehmendes Problem dar. Die aufwendigen Prozesse erstrecken sich über Jahrzehnte und belasten Haushaltskasse und Klima. Doch es gibt Alternativen: Mithilfe moderner Technologien bekommen Kommunen die durch Müll freigesetzten Treibhausgasemissionen schneller in den Griff und leisten so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Auf der Deponie Goldlauter III zeigt die Stadt Suhl, wie das geht. Für die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums (BMU) war das Service- und Kompetenzzentrum: Kommunaler Klimaschutz (SK:KK) in Thüringen und hat sich das Projekt genauer angeschaut.

Grüne Hügel, saftige Wiesen - die perfekte Idylle. Dabei kann das, was man in vielen deutschen Kommunen als naturnah empfindet, trügerisch sein. Unter diesen mit Gras bewachsenen Hügeln verbergen sich mitunter riesige Deponien, auf denen bis in die 1990er Jahre hinein Hausmüll abgelagert worden ist. Anschließend wurden sie abgedichtet und oberflächlich rekultiviert.

Die Maßnahmen waren oft genau das: oberflächlich. Während das Gelände von außen betrachtet einen stabilen Eindruck macht, laufen im Inneren weiter physikalisch-chemische und biologische Prozesse ab, bei denen große Mengen des klimaschädlichen Gases Methan entstehen.

Für Kommunen ist die Nachsorge solcher Deponiekörper wichtig - zugleich aber auch aufwendig, langwierig und kostenintensiv. Abdecken, abdichten, Sickerstoffe sammeln und Deponiegase nachhalten: Das alles kann zur Belastung für Kasse und Personal werden. Umdenken ist nun gefragt. Die Stadt Suhl hat die Initiative ergriffen. Auf der Deponie „Goldlauter III" kommt ein innovatives und auf Dauer kostengünstigeres Verfahren zum Einsatz: die aerobe In-situ-Stabilisierung - gefördert mit Mitteln aus der Nationalen Klimaschutzinitiative.

In-situ-Stabilisierung in Suhl: Schnellere Abbauprozesse

„Wir saugen die entstehenden Deponiegase ab und leiten bewusst Sauerstoff in den Deponiekörper", erklärt Frank Ebert das Grundprinzip. Er ist bei der Stadt Suhl für die Deponieüberwachung verantwortlich. Durch das neue Verfahren können Deponiebetreiber die langwierigen Abbauprozesse deutlich schneller vorantreiben.

Ob die In-situ-Stabilisierung für eine Kommune in Frage kommt, kann durch eine Potenzialstudie ermittelt werden. Auch dafür stellt das BMU im Rahmen der NKI Fördergelder bereit. Diesen Weg hat die Stadt Suhl im Sommer 2015 eingeschlagen. „Solche komplexen technischen Vorhaben können manchmal abschreckend wirken. Für uns sind Fragen nach CO2-Äquivalenten und Fördermitteln unser tägliches Brot, sodass wir die Mitarbeiter*innen aus der Verwaltung gut unterstützen können", erklärt Karsten Hupe vom Ingenieurbüro für Abfallwirtschaft Professor Stegmann und Partner aus Hamburg.

Er und sein Team waren wichtige Partner für die Potenzialanalyse und die Planung sowie Umsetzung der In-situ-Stabilisierung. Hupe erklärt: „Das Besondere an dem Verfahren ist, dass mehr Gas abgesaugt wird, als zu diesem Zeitpunkt im Deponiekörper entsteht. Dadurch entsteht ein Unterdruck, den wir mit eingeleitetem Luftsauerstoff ausgleichen." So verändere man das Milieu im Deponiekörper - da Methan nur unter Luftausschluss entstehen könne, verhindere man die Entstehung neuen Methans. „Durch die zusätzliche Belüftung der tieferen Schichten und die thermische Behandlung der abgesaugten Deponiegase können wir die schädlichen Methanemissionen rückstandsfrei beseitigen." Technische Details, die Frank Ebert sichtlich begeistern.

Erst Nachsorge, dann Naherholungsgebiet

Nachdem die baulichen und technischen Voraussetzungen für die In-situ-Stabilisierung geschaffen wurden, läuft die Deponie seit Mai 2019 im Regelbetrieb, berichtet Ebert. Die Stadt plane, die Nachsorge der Deponie nach acht bis zehn Jahren abgeschlossen zu haben - und die Fläche somit Jahrzehnte früher in Bürger*innenhand zurückzugeben, etwa als Naherholungsbiet.

Als erstes NKI-Deponiebelüftungsprojekt in Thüringen will Ebert mit „seiner" Deponie natürlich Vorbild sein. Nachahmer*innen empfiehlt er, entsprechende Fachtagungen zu besuchen und sich mit Kolleg*innen zu vernetzen, um voneinander zu lernen. Die größte Herausforderung für ihn: „Man braucht den Mut, etwas Neues zu machen und dann dranzubleiben. Wir haben darum gekämpft, dieses Projekt hier durchführen zu können und würden es immer wieder tun."

Das Bundesumweltministerium hat das ehrgeizige Projekt mit 362.000 Euro unterstützt. Seit 2008 wurden im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative bereits über 16.500 Klimaschutzprojekte im kommunalen Umfeld gefördert." Quelle

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